
Das Skisprungmärchen der Saison 2006/07 mit dem Titel "Vom Klempner zum Vierschanzentournee-Sieger" schrieb der Norweger Anders Jacobsen. Die Entdeckung von Mika Kojonkoski gehört heute zu den festen Größen im Skispringen.
Ursprünglich arbeitete Jacobsen als Klempner. Das Skispringen betrieb er neben dem Job. Dieses Leben wurde nach der Olympischen Saison 2006 durch Mika Kojonkoski geändert. Der Trainer sichtete im Mai für die nächste Olympiade 2010 Talente auf den Mattenschanzen in Lillehammer/NOR. Besonders gefielen ihm dabei Anders Jacobsen und Tom Hilde, die dadurch die Chance auf einen Platz in der Nationalmannschaft für die kommende Saison erhielten.
In diese startete Debütant Jacobsen im finnischen Kuusamo mit einem phänomenalen dritten Rang. Dass dies kein Zufallsprodukt war zeigte er bei den Springen in Lillehammer/NOR, bei denen er Zehnter und Zweiter wurde. Schnell hatte sich Jacobsen in der Weltcupspitze zurechtgefunden. In Engelberg/SUI folgte dann der erste Sieg.
War man bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Staunen verfallen war, tat man es spätestens nach der Vierschanzentournee 2006/07. Dort düpierte er die Skisprungelite, nach einem vierten Rang in Oberstdorf/GER, einem fünften in Garmisch-Partenkirchen/GER, dem Sieg in Innsbruck/AUT und dem zweiten Platz beim letzten Springen in Bischofshofen/AUT, mit dem Gesamtsieg. „Ich bin ein glücklicher kleiner Junge“, kommentierte Jacobsen seinen überraschenden Triumph beim prestigeträchtigsten Wettbewerb. Bei der Nordischen Skiweltmeisterschaft 2007 in Sapporo/JPN holte der Springer aus Hønefoss zusammen mit Tom Hilde, Anders Bardal und Roar Ljøkelsøy die Silbermedaille im Mannschaftswettkampf von der Großschanze.
Seine erste Weltcupsaison schloss er als Zweiter der Gesamtwertung ab. Der Aufstieg in die ungewohnte Rolle eines Favoriten und Medienstars ereilte Jacobsen so plötzlich, dass es kaum möglich war, das Erlebte aus der ersten Saison zu verarbeiten. Zudem machten dem Norweger Knieprobleme das Leben schwer. Im Sommer 2007 unterzog er sich daher mehreren Kniebehandlungen. Durch dieses Problem litt natürlich auch die Vorbereitung auf den nächsten Winter.
Zu Beginn seiner zweiten Saison zeigte Jacobsen gute Leistungen, wenn er auch nicht seit dem Beginn zu der Spitzengruppe gehörte. Ein Sturz im Training beim Weltcup in Trondheim/NOR warf ihn erneut zurück. Gute Sprünge waren danach eher Mangelware. Erst ab Val di Fiemme/ITA konnte der Norweger wieder gute und vor allem auch konstante Leistungen zeigen. Richtig aufwärts ging es dann nach seinem ersten Sieg in der Saison im tschechischen Liberec. Am Ende der Saison stand er fünf Mal auf dem Podest und erreichte in der Gesamtwertung den sechsten Rang.
Wie die anderen Norweger kämpfte auch Anders Jacobsen zu Beginn der Saison 2008/09 deutlich mit der Form. Seine beste Leistung war der dritte Rang bei den Wettkämpfen am Granåsen in Trondheim/NOR. Bei der Vierschanzentournee zeigte Jacobsen dann konstantere Sprünge und wurde am Ende Sechster in der Gesamtwertung der Tournee. Vor den Nordischen Skiweltmeisterschaften 2009 in Liberec/CZ holte Jacobsen sich mit zwei zweiten Rängen das letzte Selbstvertrauen für das Großereignis der Saison. In diese startete er mit einem 17. Rang von der Normalschanze denkbar schlecht, überzeugte dann aber mit Bronze von der Großschanze. Mit der Mannschaft konnte er zudem die Silbermedaille mit nach Hause nehmen.
In der Saison 2009/10 reichte es dann auch endlich wieder zum Sieg für den Norweger. Diesen errang er, nach fast zweijähriger Durststrecke, am 21. Januar 2010 beim Skifliegen in Oberstdorf/GER. Beim Saisonhöhepunkt, den Olympischen Winterspielen in Vancouver/CAN, reichte es zudem zur Bronzemedaille mit der Mannschaft. Auch bei den saisonabschließenden Skiflug-Weltmeisterschaften in Planica/SLO ging Jacobsen nicht leer aus. Dort holte er Bronze im Einzel und Silber mit der Mannschaft.
Die Weltcupsaison 2010/11 gehört momentan zu der schlechtesten in Jacobsens Karriere. So schaffte es der Norweger nicht immer Top-Leistungen abzuliefern. Bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 2011 in Oslo/NOR zeigte er sich jedoch in alter Stärke und konnte mit der Mannschaft sowohl auf der Normalschanze, als auch auf der Großschanze die Silbermedaille erringen. Am Ende wurde er 19. in der Gesamtwertung. Im Mittelpunkt seines Lebens stand in diesen Monaten auch die Geburt seines Sohnes Isak am 23. Januar 2011.
Dies war mitunter ein Grund, warum sich Jacobsen Ende Mai 2011 dazu entschloss, eine Auszeit zu nehmen um sich in Ruhe darüber klar zu werden, ob er auch im Zukunft das Skispringen professionell betreiben wolle. Anfang 2012 kündigte Jacobsen schließlich an, dass er wieder in den Weltcup-Zirkus zurückkehren wolle und arbeitet seit dem an seinem Comeback. Die ersten Erfolge, konnte er bereits im März 2012 mit der Goldmedaille bei den norwegischen Meisterschaften in Voss verbuchen.