Andreas Strolz
Nicole Tomberger Andreas Strolz

Andreas Strolz - "Man muss sich selbst immer weiterentwickeln"

 
Montag, 12 September 2011 17:29 / Nicole Tomberger

In Österreich gibt es viele junge Talente, die den Springern aus eigenen Reihen immer näher rücken. Eines davon ist Andreas Strolz. Im Rahmen des Continentalcups in Trondheim (NOR) hat der symphatische Österreicher mit Skispringen-news über seine Anfänge, die Liebe zum Sport und seine Ziele für die kommende Saison gesprochen.

Wie bist du zum Skispringen gekommen?
Das war damals durch den Talentwettbewerb vom Toni Innauer, für den ich aber zu jung war um mitmachen zu dürfen. Dann habe ich Vorspringer und Vorläufer gemacht, das war so ein Triathlon aus Riesentorlauf, Skispringen und Langlauf und der Papa von Hafele Mathias hat dann gemeint „Wenn du so gern springst, geh mit aufs Seefeld“. Da war dann ein Guglhupfspringen, bei dem ich direkt Dritter geworden bin und seitdem mache ich es eigentlich.

Du warst ja früher wie du schon gesagt hast auch im Alpinen Skisport unterwegs. Was hat das Skispringen, was der Alpine Skisport nicht hatte?
Bei mir war der Umstieg deshalb, weil ich extreme Knieschmerzen bekommen habe. Das war nämlich genau zu der Zeit, in der die Carving Ski gekommen sind und ich im Wachstum war und da ich doch schon mit neun Jahren in die Kraftkammer hätte sollen, war für mich klar, dass Skispringen mehr Spaß macht.

Aber das Skispringen ist doch auch eine Belastung für die Knie?!
Schon, aber nicht so sehr wie Skifahren. Sicher, das Training zwischendurch, aber das Skispringen selbst eigentlich nicht.

Und wie ist es jetzt? Hast du manchmal noch Knieprobleme?
Gibt’s schon zwischendurch noch, dass es überlastet ist oder so, aber lange nicht so schlimm, weil ich jetzt ja auch ausgewachsen bin und das trägt sicher auch dazu bei.

Du bist jetzt ja doch schon einige Jahre dabei. Verliert das Skispringen nach so langer Zeit nicht seinen Reiz, sodass man sich irgendwann denkt „Jetzt ist Schluss“?
Den Gedanken hatte ich auch schon öfters, aber es gibt immer wieder irgendwas, wo man sich selbst weiterentwickeln kann und sich selbst neue Ziele setzt und das ist es. Sich selbst so weit zu bringen, bis es wirklich nicht mehr weiter geht und man sagen kann, dass man wirklich alles dafür getan hat. Und das ist der Reiz an der ganzen Sache.

Ist es nicht kräftezerrend, wenn man es trotz guter Sprünge nicht schafft in den Weltcupkader zu kommen?
Ja doch, weil man sich zwischendurch immer wieder die Frage stellt „Was soll ich noch machen? Was kann ich noch machen? Habe ich die Geduld?“. Es ist ja später auch wichtig fürs Berufsleben, da darf man den Ausstieg ja auch nicht verschlafen. Aber was man sich halt immer wieder vorsagt, wenn man es in Österreich ins Nationalteam schafft, dann ist das fast eine Top15-Garantie und an dem hält man sich fest. Genau das ist die Motivation, zu den besten der Welt zu gehören und ich da bin sehr stolz darauf sagen zu können, dass Österreich definitiv da hin gehört.

Du hast es gerade eben schon angesprochen, das Leben nach dem Sport. Findest du es wichtig, dass man nebenbei schon studiert oder eine Ausbildung macht? Beschäftigst du dich schon damit?
Ich selbst mache im Moment neben dem Sport noch nichts, weil ich mich noch nicht wirklich auf etwas festgelegt habe bzw. mich 100 prozentig auf den Sport konzentrieren möchte. Und die Frage, ob es Sinn macht nebenher eine Ausbildung zu machen: Kommt ganz darauf an, was für eine Ausbildung das ist. In meinem Interesse wäre zum Beispiel ein Pilotenschein, der aber zu 100 Prozent meine Zeit in Anspruch nehmen würde. Und wenn ich das wirklich nebenher versuchen würde, dann wäre Skispringen 50 Prozent und Pilotenschein 50 Prozent und da kommt sicher nichts Gutes dabei raus. Aber wenn jetzt jemand einen Abendkurs oder eine Abendschule macht, kann ich sagen, das kann man dann schon gut trennen und dann wird sicher beides, der Sport und die Ausbildung, zu 100 Prozent ein Erfolg.

Es ist ja kein Geheimnis, dass ihr Österreicher euch im Team sehr gut untereinander versteht und teilweise auch privat miteinander befreundet seid. Findest du das wichtig, dass eine gute Stimmung herrscht und man sich versteht?
Das ist total wichtig! Ich kann’s so erklären: Wenn man in den Urlaub fährt und man hat drei Teamkollegen dabei, mit denen man sich aber nicht richtig versteht, wird der Urlaub sicher nicht lustig werden. Und bei uns ist es halt so, wenn wir irgendwo hin fahren, egal ob Trainingskurs oder Wettkampf, dass wir es immer wieder schaffen, Spaß zu haben – egal, wie langweilig es gerade ist. Und das macht es auch aus: Dass man nicht immer nachhause fahren muss, sondern auch unterwegs abschalten kann und dass das Umfeld schon familiär ist.

Gibt’s auch Momente, wo du sagst „Ich hab jetzt meine Freizeit, ich brauche was, was gar nichts mit Skispringen zu tun hat“?
Das gibt’s natürlich auch, aber ich hab jetzt auch von den Leuten, die hier in Trondheim mit sind, zwei oder drei, mit denen ich auch über andere Sachen als Skispringen reden kann und das finde ich total wichtig.

Was sind deine Gedanken vor bzw. während eines Sprunges?
Das ist unterschiedlich. Einer, der ein Flow-Gefühl hat, hat dann halt nur das Bild vom weit Springen im Kopf und sonst nix und ein Anderer, dem es nicht so gut geht, der wird vielleicht Selbstzweifel haben. Im Endeffekt hab ich’s jetzt so weit gebracht, dass ich nur die Bewegung und den Ablauf im Kopf habe, den ich mir für das Wochenende vorgenommen habe. Und sonst denkt man halt an gar nichts, was ja auch eine Aufgabe ist (lacht).

Und wie bereitest du dich am Wettkampftag vor? Brauchst du einige Minuten allein vor dem Sprung oder macht es dir nichts aus, wenn dann einer von deinen Kollegen um dich rum ist?
Das ist ganz individuell, mittlerweile macht es mir auch gar nichts mehr aus. Es kann jetzt auch einer hinkommen und schimpfen, weil es nicht gut ging, dann gibt’s ein paar tröstende Worte, aber das war’s dann auch. Wenn ich Musik brauche, dann höre ich sie, wenn nicht, dann nicht. Am besten noch ein kleines Ballspiel vorweg und Rumblödeln mit den Kollegen, dann passt das.

Wie ist das mit der ständigen Angst? Denkst du daran, dass du stürzen könntest oder blendest du das komplett aus?
Das ist eigentlich ganz lustig, weil das fragen viele Leute (schmunzelt). Aber es ist wirklich so, man ist es gewöhnt und die einzige Angst, die man haben könnte, ist, dass man zu kurz springt. Das ist, glaube ich, das einzige, was beim Skispringen Angst macht. Es gibt schon Respektmomente, wie beim Skifliegen, weil das kann man ja das ganze Jahr über nicht trainieren und dann ist es ein oder zwei Mal in der Saison. Aber da ist es wieder für jeden gleich und da gewinnt dann meistens der, der am meisten in sich selbst vertraut.

Bezüglich der kommenden Wintersaison: Hast du dir bestimmte Ziele gesetzt, die du erreichen möchtest?
Ja, die habe ich mir gesetzt. Für den Winter direkt natürlich von Anfang an im Weltcup dabei zu sein. Das ist dann von der Österreichischen Meisterschaft abhängig und vom Trainingsverlauf danach. Ansonsten die Vierschanzentournee, die ja eh jedes Jahr ein Highlight ist. Und ich würde mich sehr freuen, wenn ich dieses Jahr mehr im Weltcup als im Continentalcup unterwegs wäre – und das ist ein weitläufiges Ziel, sage ich jetzt mal, und das sollte schon klappen.

Also hast du schon noch vor, einige Jahre dabei zu sein?
Ja, auf jeden Fall! (grinst)

Und was wäre für dich das absolute Karrierehighlight? (Träumen erlaubt!)
Von einer Olympiamedaille träumt ja sicher jeder Sportler. Was für mich noch besser wäre als eine Medaille bei Olympia wäre Skiflugweltmeister, weil ich einfach in der Luft noch so viel kämpfen und arbeiten muss, damit ich annähernd da hin komme, wo andere sich schon leicht tun. Und ich glaube, dass das für mich dann einen ganz besonderen Stellenwert hätte.

Also fliegst du lieber, als dass du springst?
Das ist relativ. Ich tu mir beim Springen halt leichter als beim Fliegen. Aber beim Fliegen dann auch noch einen richtig guten Erfolg zu schaffen, das wäre dann das absolute Highlight!

Danke für das Interview und weiterhin viel Erfolg!



Das Interview führte Nicole Tomberger








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Gesamtstände //

1 Schlierenzauer, Gregor At 933,8
2 Morgenstern, Thomas At 908,8
3 Kofler, Andreas At 896,9
4 Bardal, Anders No 895,0
5 Koudelka, Roman Cz 881,2
6 Ito, Daiki Jp 852,1
7 Freund, Severin De 843,3
8 Stoch, Kamil Pl 843,0
9 Takeuchi, Taku Jp 842,6
10 Freitag, Richard De 820,4

(Stand: 06. Januar 2012)
1 Stjernen, Andreas No 1017
2 Gangnes, Kenneth No 899
3 Hayboeck, Michael At 834
4 Mandl, Ziga Si 684
5 Meznar, Mitja Si 606
6 Naglic, Tomaz Si 597
7 Loitzl, Wolfgang At 570
8 Johansson, Robert No 559
9 Ingvaldsen, Ole Marius No 549
10 Swensen, Vegard No 542
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(
Endstand)
1 Iraschko, Daniela At 440
2 Hendrickson, Sarah Us 420
3 Vtic, Maja Si 256
4 Takanashi, Sara Jp 220
5 Rogelj, Spela Si 211
6 Pozun, Katja Si 206
7 Bogataj, Ursa Si 182
8 Seifriedsberger, Jacqueline At 152
9 Vuik, Wendy Nl 139
10 Sagen, Anette No 136
10 Klinec, Ema Si 136
Gesamter Stand »       

(Endstand)

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