Coline Mattel
Nicole Tomberger Coline Mattel

Coline Mattel - "Ich bin jung und habe noch viel Zeit!"

 
Dienstag, 27 September 2011 12:16 / Mona Türk

 Zum ersten Mal in der Geschichte des Skispringens wird kommende Saison der Ladies-Weltcup ausgetragen. Als eine der größten Repräsentantinnen steht dabei wohl die erst 15-jährige Coline Mattel im Mittelpunkt des Geschehens. Trotz ihres jungen Alters konnte sie bereits zahlreiche Erfolge feiern. Skispringen-News.de traf die quierlige Französin zum Interview und fragte nach: Wie ist es eigentlich so jung und doch so erfolgreich zu sein?

» English version of the interview

Bei der diesjährigen Nordischen Skiweltmeisterschaft in Oslo/NOR hast du dir den dritten Rang gesichert. Glückwunsch noch einmal dazu!
Wie hat es sich angefühlt als eine der jüngsten Athletinnen so eine Platzierung zu erreichen?

Zuerst muss ich sagen, dass ich ein wenig enttäuscht war, weil ich bis dahin eine sehr gute Saison gesprungen bin. Ich war sechs Mal auf dem ersten Platz und ich denke daher hatte ich bei der Weltmeisterschaft mehr erwartet als einen 3. Rang. Aber nach ein paar Tagen, als ich noch mal darüber nach gedacht habe, dachte ich: Hey! Ich habe keinen Grund traurig oder enttäuscht zu sein, weil - wie du bereits erwähnt hast - ich jung bin und noch viel Zeit habe. Und ich denke, ein dritter Platz in Oslo ist toll! Jetzt bin ich richtig glücklich und stolz!

War es schwer wieder zurück in den Alltag zu finden und das normale Training zu absolvieren?
Ja, war es! Aber vor allem wegen der Schule. Wir verbringen den ganzen Winter bei Wettkämpfen, deswegen absolviere ich meine schulische Ausbildung in vier, statt den üblichen drei Jahren. Aber dadurch bin ich den Winter über von der Schule befreit und kann zu Wettkämpfen fahren. Im Frühling, wenn ich dann aber zurück muss, ist es wirklich hart. Ich muss viel und vor allem schnell lernen. Das ist auch anstrengend, wenn davor keine Weltmeisterschaften waren.

Neben diesem Erfolg hast du auch noch andere Top-Platzierungen erreichen können. Wie du bereits selbst erwähnt hast: Sechs erste Plätze in der letzten Saison und bereits drei in dieser.
Gab oder gibt es dabei einen Erfolg, der dir besonders viel bedeutet?

Ich weiß nicht... Jeder erste Platz ist besonders! Generell würde ich sagen, dass die Wettkämpfe, mit denen ich am glücklichsten bin, die sind, bei denen ich weiß, dass ich alles gegeben habe! Gestern (Anm. der Redaktion: COC Trondheim, 11. September 2011) bin ich ziemlich gut gesprungen. Ich habe zwei technisch gute Sprünge gemacht, aber dann konnte ich keinen Telemark setzen, weil es so weit war. Ich frage mich: Wo ist das Problem? Ich weiß wirklich nicht, was ich falsch mache. Es spielt keine Rolle, ob ich beim Absprung einen guten Sprung mache, wenn ich keine weiten Sprünge stehen kann. Also wenn wir wieder auf die Frage zurück kommen: Wenn ich weiß, dass ich 100% meiner Leistung abgerufen habe, dann bin ich wirklich glücklich und stolz. Auch, wenn es ein zweiter oder dritter Platz wird - das spielt keine Rolle - weil ich weiß, dass ich alles gegeben habe! Ein zweiter Platz kann auch etwas Besonderes sein!

Jetzt, in der nächsten Wintersaison, wird der erste Ladies-Weltcup etabliert. Verändert sich dein Training im Bezug auf diese Veränderung?
Ich denke, es ist immer noch das gleiche, aber ich sollte ernster an die Sache ran gehen. Ich weiß, dass ich mich in vielen Dingen weiterentwickeln kann!

Was erwartest du von dir in dieser Saison? Hast du dir bereits Ziele gesetzt?
Ich weiß nicht... Vielleicht die erste Ladies-Weltcup Gesamtwertung gewinnen? Das hört sich ziemlich gut an! Aber ich weiß nicht, ich werde sehen wie sich meine Sprünge entwickeln und dann versuche ich mein Bestes zu geben und nach keinem Wettkampf enttäuscht zu sein. Das möchte ich!

Denkst du ab und zu auch schon an die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014?
Ja! Das wird die erste Olympiade für uns und jedes Mädchen hat bereits seit Jahren davon geträumt! Also klar denke ich darüber nach, aber ich werde es einfach auf mich zu kommen lassen und sehen, was sich ergibt!

Lass uns über die Situation in deiner Heimat sprechen. Skispringen ist in Frankreich nicht so bekannt, wie beispielsweise in Deutschland oder Norwegen. Was denkst du, woran liegt das?
Puh, ich weiß nicht... Vielleicht ist es so, weil es beim Skispringen nicht so viel Presseaufmerksamkeit und Geld gibt, wie z.B. bei der Alpinen Abfahrt.
Mein Zuhause liegt 30 Minuten von Chamonix entfernt und dort ist Skifahren viel populärer als Skispringen. Manchmal muss ich vier Stunden fahren, um für ein oder zwei Tage zu springen. Wir haben nicht so viele Schanzen in Frankreich, nur fünf K-90. Und wir haben auch nicht so viele Springer wie z.B. Deutschland oder Österreich. Also vielleicht war es mal bekannt, aber jetzt scheint die Zeit der Alpinen Abfahrt und des Fußballs zu sein. Ich hoffe, dass es wieder populärer wird in der Zukunft!

Erkennen dich zu Hause, trotz dieser Umstände, manchmal Leute auf der Straße?
Nach den Weltmeisterschaften in Oslo habe ich viel Fanpost bekommen. Deutsche, österreichische und polnische Leute haben mich nach Autogrammkarten gefragt, aber auf der Straße hat mich bisher niemand erkannt.

Und wie ist es in anderen Ländern?
Nein, aber ich denke, dass das im Moment auch gut so ist!

Wie bereits erwähnt: Du bist einer der jüngsten Springerinnen derzeit. Wie fühlst du dich in dieser Rolle? Fühlst du dich mit deinen älteren Kolleginnen auf Augenhöhe oder betrachtest du diese mit sehr viel Respekt?
Natürlich sehe ich mit viel Respekt zu den älteren Springerinnen auf, aber genauso respektiere ich auch die jüngeren. Ich fühle mich jedenfalls nicht in der Rolle der Kleinen - das war einmal, als ich hier her kam, aber ich habe ziemlich schnell meinen Platz gefunden! Alter spielt keine Rolle - jeder versteht sich mit jedem richtig gut und ich habe es persönlich schon immer bevorzugt, etwas mit älteren zu unternehmen. Und ich habe bereits vieles von den älteren Springerinnen gelernt!

Und unsere letzte Frage: Wie ist es für dich weniger Freizeit zu haben, als andere Teenager in deinem Alter? Wie gehst du damit um?
Ich würde nicht sagen, dass es wirklich weniger Freizeit ist, weil ich vor und nach einem Wettkampf auch viel Zeit für mich habe. Und wenn ich zur Schule gehe ist es auch ganz normal. Aber ich muss sagen, dass ich mich immer darauf freue zu Wettkämpfen zu fahren, weil ich dann springen und die anderen Mädels wiedersehen kann! Die Zeit, die ich mit ihnen verbringe, ist meine Freizeit! Ich glaube, das ist das, was ich will! Ich wäre nicht glücklicher, wenn ich weniger springen und mehr Freizeit haben würde!

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!



Das Interview führte Mona Türk








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Gesamtstände //

1 Schlierenzauer, Gregor At 933,8
2 Morgenstern, Thomas At 908,8
3 Kofler, Andreas At 896,9
4 Bardal, Anders No 895,0
5 Koudelka, Roman Cz 881,2
6 Ito, Daiki Jp 852,1
7 Freund, Severin De 843,3
8 Stoch, Kamil Pl 843,0
9 Takeuchi, Taku Jp 842,6
10 Freitag, Richard De 820,4

(Stand: 06. Januar 2012)
1 Stjernen, Andreas No 1017
2 Gangnes, Kenneth No 899
3 Hayboeck, Michael At 834
4 Mandl, Ziga Si 684
5 Meznar, Mitja Si 606
6 Naglic, Tomaz Si 597
7 Loitzl, Wolfgang At 570
8 Johansson, Robert No 559
9 Ingvaldsen, Ole Marius No 549
10 Swensen, Vegard No 542
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(
Endstand)
1 Iraschko, Daniela At 440
2 Hendrickson, Sarah Us 420
3 Vtic, Maja Si 256
4 Takanashi, Sara Jp 220
5 Rogelj, Spela Si 211
6 Pozun, Katja Si 206
7 Bogataj, Ursa Si 182
8 Seifriedsberger, Jacqueline At 152
9 Vuik, Wendy Nl 139
10 Sagen, Anette No 136
10 Klinec, Ema Si 136
Gesamter Stand »       

(Endstand)

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