Entwicklung der Sprungtechnik

Sprungstil von 1936
Sprungstil von 1936

In der langen Geschichte des Skispringens gab es mehrere unterschiedliche Techniken, um auf eine möglichst große Weite zu kommen. 

 


Das Skispringen entwickelte sich Ende des 18. Jahrhunderts in der norwegischen Provinz Telemark aus der alpinen Abfahrt. In den Anfängen wurde über Schneehügel, schneebedeckte Holzhaufen und Scheunendächer gesprungen. Hierbei wurde der so genannte Optrakke-Stil verwendet. Beim Anlauf wurden die Knie und der Oberkörper leicht nach vorne gebeugt. Kurz vor Erreichen der Schanzentischkante wurde der Oberkörper aufgerichtet und ließ sich in die Höhe schleudern. Während der Sprungphase zogen die Springer die Beine an, da so der Sprung höher aussah. Mit diesem Stil konnten Weiten um 10-20 Meter erreicht werden. Der erste nachweislich gemessene Sprung fand 1808 statt. Leutnant Olaf Rye gelang ein Sprung von 9,5 Metern über einen künstlich aufgeworfenen Schneehügel. 1860 erreichte Sondre Auverson Nordheim, aus dem Telemarker Dorf Morgedahl, eine Weite von 30,5 Metern.

Im Laufe der Jahre merkte man, dass der Landedruck für den Springer bei einer schrägen Aufsprungbahn wesentlich geringer war. Daher wurde die Aufsprungzone von der Ebene auf den Hang verlegt. Dadurch änderte sich auch der Sprungstil und der Sta-rak-Stil (sta-rak = aufrecht) entstand. Der Springer nahm eine kerzengrade Position in der Flugphase ein. Dies sah eleganter aus und gab daher höhere Haltungsnoten, die damals wesentlich wichtiger waren als die Weitenpunkte. Nur die Armbewegung wurde vom Optrakke-Stil übernommen und diente zum Erhalt des Gleichgewichts. 1883 führte Torju Torjussen die Telemarklandung ein, fur die es noch bis heute hohe Wertungsnoten gibt. Aufgrund von höheren Haltungsnoten entwickelte sich auch der Truppe-ned-Stil (Spitzen tief). Die Skier wurden parallel zum Hang geführt, das heißt die Skispitzen zeigten nach unten, wodurch der Sprungstil seinen Namen erhielt. Der Sprungstil bewährte sich nicht, da der Springer durch den hohen Luftwiderstand deutlich abgebremst wurde und so an Weite verlor.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wanderten viele norwegische Skispringer in die USA aus, da sie hier mit Skispringen Geld verdienen konnten. Im Gegensatz zu Norwegen zählte hier alleine die Weite. Beim sensationslustigen Publikum in den USA zählten spektakuläre Weiten. Es wurden immer größere Sprunganlagen gebaut, was sich nicht nur auf die Weiten, sondern auch auf die Anfahrtsgeschwindigkeit und den damit verbundenen Luftwiderstand auswirkte. Daher wurde der Sprungstil erneut angepasst. 1912 setzte sich der Vorlagen-Stil durch. Beim Vorlagestil streckte der Springer seinen Oberkörper ganz nach vorne. Der Luftwiderstand wurde dadurch so gering gehalten wie möglich und der Springer konnte an Geschwindigkeit gewinnen. Mit diesem Stil setzte sich der Norweger Jacob Tullin Thams deutlich gegen seine Konkurrenz bei den Olympischen Spielen 1924 in Chamonix durch.

Der Vorlagestil existierte in mehreren Varianten. Birger Ruud, einer der besten Springer seiner Zeit, sprang den Königsberger-Stil. Diese Sprungtechnik zeichnete sich vor allem durch extremen Hüftknick aus. Auch der Österreicher Sepp Bradl entwickelte eine eigene Variante des Vorlagestils. Anders als üblich ruderte er nicht mit den Armen, sondern streckte sie nach vorne. Mit dieser Technik erreichte er 1936 in Planica die 100 Meter-Marke.

1926 erkannten der frühere Skispringer und schweizer Flugingenieur Straumann und sein Kollege Andreas Dächer als erste Theoretiker die Bedeutung der Luft als tragenden Faktor. Man stellte fest, dass ein Anlegen der Arme wesentlich aerodynamischer ist und somit größere Weiten erzielt werden können. Seine Theorie wurde jedoch erst 20 Jahre später praktisch umgesetzt. In den 40er Jahren entwickelte er seinen theoretisch entwickelten Stil mit einigen Springern weiter. Die Technik variierte dabei im Ausprägungsgrad der Körpervorstreckung und ging teilweise in eine fast gestreckte Flughaltung über. Ferner sollten er die Springer nach dem Absprung die Arme ganz ruhig an den Körper legen und sie neben die kaum noch geknickten Hüften wie Flossen zum Steuern des Fluges zu benutzen. Diese Technik bezeichnete man zunächst als Dänischen-Stil. Später nannte man sie, wegen der Körperhaltung, auch Tropfen-Stil oder Fisch-Stil. Der von Dächer und Straumann entwickelte Flugstil setzte sich erst in den 50er Jahren durch. Eine weitere Bezeichnung für diese Sprung-Variante war Finnischer-Stil, da die entwickelte Sprungtechnik zu einer Domäne einiger junger finnischer Springer wurde, mit der sie die Wettkämpfe souverän gewannen.

Die von vielen Springern favorisierte "Armstreck-Technik" bei gerader nach vorne geneigter Körperhaltung stellte noch bis in die siebziger Jahre hinein eine konkurrenzfähige Flugstilalternative zum längst etablierten "Fisch-Stil" dar. Im Zusammenhang mit dem Ende der 80er Jahre entstandenem V-Stil wird der Fisch-Stil wegen der parallelen Skihaltung auch als Parallel-Stil bezeichnet.

1984 revolutionierte der Schwede Jan Boklöv mit der Erfindung des V-Stils den Sport. Das Kuriose daran war, dass er nur notlanden wollte. Bei einem Trainingssprung geriet Boklöv ins Trudeln und spreizte die Ski zur Notlandung. Boklöv stürzte jedoch nicht, sondern spürte ein tragendes Luftpolster. Er erkannte die Chance, dass dieser Flugstil ihn weiter bringen könnte. 1986 und 1987 wurde Boklöv schwedischer Meister. Im Skisprunggeschehen sorgte er dennoch für wenig Aufsehen. Die beachtlichen Weiten, die Boklöv erzielte, brachten ihm nicht viel, da er in der Haltung viele Punkte abgezogen bekam. Sein Sprungstil wurde belächelt - als "Froschstil" oder "Boklöv-Schere" betitelt.  In der Saison 1988/89 gelang ihm dann jedoch der endgültige Durchbruch mit dem neuen Stil. Im Winter 1988/89 gewann Boklöv fünf Weltcupspringen und die Gesamtwertung. Der Schwede profitierte von einer Regeländerung, die besagte, dass der V-Stil nur noch mit bis zu einem Punkt Abzug bestraft werden dürfe. Bereits zur nächsten Saison begannen einige Springer mit der Umstellung auf den neuen Stil. Dennoch sorgte der V-Stil weiter für Diskussionen, da es immer noch Abzüge in der Haltung gab.

Bereits Anfang der 80er Jahre sprang der kanadische Skispringer Steve Collins einen „umgekehrten“ V-Stil. Trotz hoher Punktabzüge in der Haltung wurde er 1980 Juniorenweltmeister. Am 9. März 1980 konnte er, knapp vor seinem 16. Geburtstag, das Springen von der Großschanze in Lahti gewinnen und ist damit der jüngste Sieger in einem Weltcupspringen aller Zeiten. Neben diesem Sieg wurde er im Weltcup zweimal Dritter und erreichte 18 weitere Top-10-Platzierungen. Sein letztes Weltcup-Springen absolvierte er im Dezember 1991.

Die Umstellung auf den V-Stil bereitete den meisten Springern große Schwierigkeiten. Dies merkte man besonders daran, dass viele große Springer nach 1990 aus den Siegeslisten verschwanden. Insgesamt gab es nur etwa acht Athleten, die in beiden Techniken gewinnen konnten. Ein Zeichen hierfür ist, dass einige große Namen nach 1990 aus den Siegeslisten verschwinden. Insgesamt gab es nur acht Springer, die mit beiden Stilen gewonnen haben, zu ihnen zählen Ernst Vettori, Jens Weißflog, Dieter Thoma, Roberto Cecon, Andreas Felder, Heinz Kuttin, Stefan Horngacher und Ari-Pekka Nikkola.

Durch die Entwicklung des V-Stils mussten die Aufsprunghänge an den Schanzen grundlegend verändert werden. Die Springer flogen mit der neuen Technik vier Meter hoch über dem Hang und wesentlich weiter. Weiterhin wurde durch Verringerung der Schanzentischneigung die Flugbahn angepasst. Ferner veränderte man die Profilierung der Landezone, um den Aufsprungdruck zu reduzieren.

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Gesamtstände //

1 Schlierenzauer, Gregor At 933,8
2 Morgenstern, Thomas At 908,8
3 Kofler, Andreas At 896,9
4 Bardal, Anders No 895,0
5 Koudelka, Roman Cz 881,2
6 Ito, Daiki Jp 852,1
7 Freund, Severin De 843,3
8 Stoch, Kamil Pl 843,0
9 Takeuchi, Taku Jp 842,6
10 Freitag, Richard De 820,4

(Stand: 06. Januar 2012)
1 Stjernen, Andreas No 1017
2 Gangnes, Kenneth No 899
3 Hayboeck, Michael At 834
4 Mandl, Ziga Si 684
5 Meznar, Mitja Si 606
6 Naglic, Tomaz Si 597
7 Loitzl, Wolfgang At 570
8 Johansson, Robert No 559
9 Ingvaldsen, Ole Marius No 549
10 Swensen, Vegard No 542
Gesamter Stand »     

(
Endstand)
1 Iraschko, Daniela At 440
2 Hendrickson, Sarah Us 420
3 Vtic, Maja Si 256
4 Takanashi, Sara Jp 220
5 Rogelj, Spela Si 211
6 Pozun, Katja Si 206
7 Bogataj, Ursa Si 182
8 Seifriedsberger, Jacqueline At 152
9 Vuik, Wendy Nl 139
10 Sagen, Anette No 136
10 Klinec, Ema Si 136
Gesamter Stand »       

(Endstand)

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